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Infodienst Kernobst Nr. 27/ 2020

Datum: 24.06.2020

Witterung:
Bis Freitag halten die sommerlichen Temperaturen bis 30 ºC an. Ab Freitag Nachmittag und am Wochenende werden gewittrige Schauer vorhergesagt. Die Temperaturen gehen dabei auf ca. 25 ºC zurück.

Apfelwickler:
Anfang der Woche wurden eingesponnenen Larven/Puppen an Wellpappestreifen gefunden. Zum Monats-wechsel können demnach erste Falter der 2. Generation auftreten. Aus den Eiern, die an den warmen Aben-den zwischen 12. bis 16. Juni abgelegt wurden, schlüpfen die Larven ab Mitte dieser Woche. Für Probleman-lagen, die ihre 2. Coragen Behandlung Anfang Juni erhalten haben, ist nun kein ausreichender Schutz mehr vorhanden. Eine Anschlussbehandlung kann hier nun vorgenommen werden mit Minecto One 0,0625 kg*, max. 0,125 kg/ha (B1= blühende Beikräuter (z.B. Weißklee) vorher mulchen, max. 1 Anw., keine Anwendung, wenn auf der gleichen Fläche und Jahr Exirel gegen Apfelblütenstecher angewendet wurde). Alternativ kann Steward 0,085 kg* (B1, max. 4x) oder ein Granulosepräparat eingesetzt werden. Der Wirkstoff von Minecto One bzw. von Steward ist bei LEH Vermarktung für Sommer- und mittlere Herbstsorten zu berücksichtigen, Der Einsatz von Granulosevirus Präparaten ist nicht rückstandsrelevant.
Für Anlagen mit geringem Apfelwicklerdruck empfehlen wir die Anschlussbehandlung mit einem Granulosevi-ruspräparat für Anfang nächster Woche.

4 Wirkstoff-Strategie bei Vermarktung über LEH und Großhandel:
Zur Einhaltung der Handelsvorgaben sollten ab Juni nur noch 4 bis zur Ernte anrechenbare Wirkstoffe einge-setzt werden. Insofern werden im Sommer z. B. gegen Schorf nur noch Captan-haltige Präparate empfohlen, gegen mögliche Lagerkrankheiten sollte der Wirkstoff von Flint (Trifloxystrobin) bzw. Geoxe (Fludioxinil) Be-rücksichtigung finden. Mehltaupräparate sind so auszuwählen, dass die Zeit von ihrer letzten Anwendung bis zur Ernte für den Wirkstoffabbau ausreicht. Bei Topas sind dies 30 Tage, bei Nimord EC nach Firmenangabe 60 Tage und bei Luna Experience, Sercadis, Talendo mind. 90 Tage. Bei Coragen zur Apfelwicklerbekämp-fung ist der Wirkstoff bei Sommer- bis mittleren Herbstsorten zu berücksichtigen. Bei Einsatz von Steward gegen die 2. Apfelwicklergeneration trifft dies auch für Lagersorten zu. Im Sommer führt der Einsatz von Pi-rimor gegen die Blutlaus zu nachweisbaren Rückständen. Bei Problemen mit Spinnmilben oder Rostmilben kann aufgrund günstigen Abbauverhaltens Milbeknock bzw. Milbeknock Top oder aber das nicht rückstands-relevante Eradicoat im Sommer eingesetzt werden, Kiron und Envidor führen hingegen zu weiteren Rückstän-den. Bei Problemen sollte die (Markt-)Beratung hinzugezogen werden, um individuelle Lösungen zu erarbei-ten.

Physiologische Blattflecken und Stippe:
Bei starkem Trieb und Blattzuwachs steigt die Gefahr von physiologischem Mg-Mangel. Hierbei wird Magne-sium aus älteren Blättern in den Zuwachs verlagert. Bei anfälligen Sorten wie Kanzi, Fuji, Braeburn, Golden Delicious entstehen so gelbe chlorotische Flecken zwischen den Blattadern mit anschließendem Blattfall. Dem Baum geht dadurch assimilatorische Leistung verloren.
Abhilfe schaffen hier Blattdüngungsbehandlungen mit z.B. der Handwerkermischung: 20 kg Bittersalz + 5 kg Mangansulfat + 5 kg Harnstoff + 1 kg Solubor in 1000 l Wasser pro ha als Solobehandlung möglichst abends spritzen. Für kritische Sorten werden 3 Behandlungen im Abstand von 10 Tagen empfohlen.
Bei den für die nächste Woche gemeldeten, gemäßigteren Temperaturen können Stippebehandlungen mit z.B. Calziumchlorid 2,5 kg* plus Break Thru 0,04 % bezogen auf die verwendete Wassermenge fortgeführt werden.

Zulassungen:
Zulassung nach Artikel 53
Curatio (Schwefelkalkbrühe) gegen Blattfallkrankheiten (Marsonina coronaria) und Regenflecken-/Fliegenschmutzkrankheit im Kernobst ab 40 mm Fruchtdurchmesser, vom 13.07. bis 09.11.2020, B4, 6 l*, max. 18 l/ha und Anwendung, max. 3x in dieser Anwendung, max. 15x pro Jahr, WZ 30 Tage, Abstand zu Oberflächengewässer NW 605-1: bei Abdriftminderung 50%: 5 m, 75 %: * m, 90 %: * m (* = in B-W 5 m) NW 606-1: 10 m ohne Abdriftminderung
Spruzit Neu gegen Rotbeinige Baumwanze und Birnenknospenstecher bei Kernobst im Ökologischen An-bau, vom 01.08. bis 28.11.2020, B4, 5 l* max. 10 l/ha und Anwendung, max. 2x, Abstand mind. 3 Tage, WZ 3 Tage; Abstand zu Oberflächengewässer NW 607-1: 30 m bei 90 % Abdriftminderung

Widerruf der Zulassung von Envidor
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit widerruft zum 31. Juli 2020 die Zulassung von Envidor (Wirkstoff: Spirodiclofen). Grund für den Widerruf ist, dass die EU-Genehmigung für den Wirk-stoff an diesem Tag endet. Es gilt eine Abverkaufsfrist bis 31. Januar 2021 und eine Aufbrauchfrist bis 31. Januar 2022. Nach Ende der Aufbrauchfrist sind eventuelle Reste entsorgungspflichtig.
Der Widerruf gilt mit denselben Fristen auch für zugehörige Pflanzenschutzmittel des Parallelhandels.

Zulassungsende von Pirimor Granulat
Die bisherige Zulassung von Pirimor Granulat endet am 31.10.2020. Da die neue Zulassung von Pirimor G bereits vorliegt (nur Getreide, nicht mehr im Obstbau), wird es keine Abverkaufsfrist geben. D. h. der Handel darf Pirimor Granulat bis zum 31.10.2020 vermarkten. Für die Obstbaubetriebe gibt es aber eine Aufbrauch-frist für Pirimor Granulat, die bis zum 30.04.2022 geht. Wichtig ist, dass sich die Betriebe bis zum 31.10.2020 mit Ware versorgen, um in 2021 und Frühjahr 2022 Pirimor noch einsetzen zu können.
Kernobstbetriebe sollten Behandlungen mit Nebenwirkung auf Blutlaus besonders beachten bzw. berücksich-tigen, da die Zulassung von z.B. Movento 100 SC nur eine befristete Zulassung nach Artikel 53 darstellt. Be-handlungen gegen in der Krone überwinternde Kolonien vor der Blüte wären in 2022 noch möglich.
Zulassungsende: 31.10.2020; Ende Abverkauf: 31.10.2020; Ende Aufbrauchfrist: 30.04.2022

Der nächste Warndienst erscheint bei Bedarf.

Die Angaben ersetzen nicht die Gebrauchsanleitung, insbesondere sind die Anwendungsbestimmungen zu beachten. Alle Angaben entspre-chen dem aktuellen Kenntnisstand der Verfasser. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit sowie eine Haftung für Irrtümer oder Nachteile, die sich aus den Empfehlungen ergeben könnten, wird nicht übernommen.

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