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Infodienst Kernobst Nr. 31/ 2020

Datum: 02.11.2020

Unkrautregulierung im Baumstreifen:
Um den Mäusen die Deckung zu nehmen, empfehlen wir nach der Ernte den Baumstreifen über Winter möglichst unkrautfrei zu halten. Dies kann vor einsetzendem Blattfall mit einem glyphosathal-tigen Herbizid erfolgen. Es ist darauf zu achten, dass die Produkte nur je 1x/Saison eingesetzt wer-den und der entsprechende Einsatzzeitpunkt stimmt. Dies trifft jetzt zu für Roundup Express (3,75 l/ha, während der Vegetationszeit), Roudup Record (2,5 l/ha, ab Pflanzjahr) oder Kyleo (5l/ha, nach der Ernte, enthält ferner 2,4 D Wuchsstoff). Bei Einsatz glyphosathaltiger Mittel ist ein Abstand von 40 Tagen zwischen zwei Behandlungen einzuhalten, wenn in Summe mehr als 2,9 kg Wirkstoff pro ha eingesetzt wird. Werden bei der Anwendung Wurzelschosser oder tiefhängende, grüne Triebe getroffen, können im nächsten Jahr typische Glyphosat-Schäden auftreten!

Schorf:
Bisher ist in den meisten Anlagen sehr wenig Spätschorfbefall an den Triebspitzen zu finden. Kenn-zeichen sind schwarze Flecken vorwiegend auf der Blattunterseite. Diese sind für die Ausbildung von Perithetien über Winter und Bildung der Ascosporen im Frühjahr verantwortlich. Wo dies zu be-obachten ist, empfehlen wir eine Harnstoffspritzung (25 - 30 kg/ha) nach der Ernte. Neben einer Einlagerung von Reservestoffen fördert dies den mikrobiellen Laubabbau.

Obstbaumkrebs:
Besonders bei regnerischer Witterung während des Blattfalls besteht Infektionsgefahr. Bei Krebs-anfälligen Sorten, wie z.B. Kanzi, Gala, Braeburn, Elstar, Rubinette empfehlen wir nach der Ernte bei einsetzendem Blattfall (ca. 1/3) Malvin WG 0,6 kg* (max. 3x). Folgebehandlungen bei ca. 2/3 Blattfall und nach Frostperioden mit anschließendem Regen dann mit z.B. Funguran progress 1 kg* (enthält 350 g Reinkupfer/kg, max. 3x, max. 3 kg Reinkupfer je ha und Jahr).

Mäusebekämpfung:
Vorbeugende Maßnahmen sind das Entfernen oder Zerkleinern von Fallobst, den Baumstreifen über Winter unkrautfrei zu halten, das Falllaub in den Fahrstreifen zu kehren und zu mulchen, Sitz-stangen für Greifvögel aufstellen bzw. reparieren.
Feldmäuse:
Zur direkten Bekämpfung eignen sich Schlagfallen oder Giftweizen- bzw. Giftlinsen-Präparate mit dem Wirkstoff Zinkphosphid. Giftweizen und Köder müssen verdeckt ausgebracht werden! Hierbei z.B. den Giftweizen mittels Legeflinte mit 5 Körnern pro Mäuseloch ablegen. Bei der Anwendung von Mausködern pro Köderstation 100 g verwenden.
Die Befallsdichte kann wie folgt festgestellt werden: innerhalb der Obstanlage auf einer Fläche von ca. 250 m² (16x16 m) alle Mauselöcher zutreten und mit einem Stab markieren. Am Folgetag die wieder geöffneten Löcher zählen. Wenn mehr als 2 Löcher wieder geöffnet sind, ist eine Bekämp-fung notwendig.
Wühlmäuse:
Die Bekämpfung erfolgt mit Fallen oder verdeckt mit Produkten auf Zinkphosphid-Basis. In sehr kleinparzellierten Gemarkungen ist die gemeinschaftliche Mäusebekämpfung sinnvoll.
Auf großen Flächen ist die Ausbringung von Wühlmausködern mit dem Wühlmauspflug möglich. Vorgewende und Randstreifen auch mit Ködern bestücken.
Hier gilt ein Bekämpfungsrichtwert von 10-20 Tieren je ha. Die Befallskontrolle ist über die Verwühl-probe möglich: Löcher öffnen und markieren. Am Folgetag wieder verschlossene Löcher zählen und Befall auf einen Hektar hochrechnen.

Zulassungen und Genehmigungen:
Neuzulassung für Dynamo (Dithianon 700 g/kg) gegen Schorf bei Apfel und Birne, 0,25 kg*, max. 0,5 kg/ha und Behandlung (enspricht 2 m KH), max. 6 Anwendungen, max. 3 kg/ha und Kalender-jahr, WZ 42 Tage, Gewässer Abstandsauflagen NW 607-1: Behandlungen nur mit Pflanzenschutzgeräten der Abdriftminderungsklasse 90 % in einem Abstand von 15 m; NW 706: zwischen behan-delter Fläche mit einer Hangneigung über 2 % und Oberflächengewässern muss ein mind. 20 m breiter Randstreifen mit geschlossener Pflanzendecke vorhanden sein, mit der Ausnahme, wenn ausreichende Auffangsysteme den Eintrag von abgeschwemmten Wasser oder Boden in Oberflächengewässer oder Kanalisation verhindern.
Pirimor Granulat hat nun eine Abverkaufsfrist auf den 30.04.2021 erhalten. Das Zulassungsende zum 31.10.2020 und die Aufbrauchsfrist zum 30.04.2022 bleiben unverändert. Das Nachfolgepro-dukt Pirimor G hat nur im Ackerbau eine Zulassung erhalten, nicht mehr im Obstbau.
Für den Wirkstoff Thiophanatmethyl wird in der EU kein erneuter Antrag auf Wiederzulassung ge-stellt. Die Zulassung von Cercobin FL endete in Deutschland am 31. Oktober 2020. Es gilt eine Ab-verkaufsfrist bis zum 30. April 2021 und eine verkürzte Aufbrauchfrist bis zum 19. Oktober 2021.
Eine Zulassungsverlängerung haben die Mittel Steward und U46 M Fluid bis zum 31.10.22 erhalten, Polytanol bis zum 31.03.2021.

Veranstaltungen und Sachkunde Fortbildungen
Durch die Corona-Pandemie können bis auf Weiteres keine Präsenzveranstaltung durchgeführt werden. Betroffen sind hiervon z.B. der „Waldulmer Obstbautag“ sowie Fortbildungsveranstaltungen bei den Obstbau Bezirks- und Ortsvereinen.
Die in diesen Veranstaltungen vorgestellten, wichtigen Neuerungen werden in Form von PDF-Dateien auf der Internetseite des Amtes zum Nachlesen eingestellt. Wir empfehlen Ihnen, sich in Abständen auf unserer Homepage-Seite über aktuelle Inhalte zu informieren: https://ortenaukreis. landwirtschaft-bw.de , unter dem grünen Reiter „Veranstaltungen“. Dort werden wir Hinweise und Inhalte einstellen. Ein Teil wird auch über die Warndienste vermittelt.
Zum Bereich Fortbildungsnachweis zur Pflanzenschutz Sachkunde weisen wir darauf hin, dass für die sogenannten „Alt-Sachkundigen“ der 3 jährige Nachweiszeitraum erst zum 31.12.2021 endet (Zeitraum 2019-2021). Insofern bestehen für das kommende Jahr (Sommer/Herbst) Möglichkeiten, diese Nachweise falls notwendig zu erlangen. Wer einen eigenen individuellen 3 Jahreszeitraum für den Nachweis hat (der Beginn des ersten Zeitraumes steht auf der Rückseite des Sachkunde Kärtchens) und noch Nachweise kurzfristig benötigt, kann diese auch online im Internet erhalten (z.B. https://www.landakademie.de ).

Der nächste Warndienst erscheint bei Bedarf.

Die Angaben ersetzen nicht die Gebrauchsanleitung, insbesondere sind die Anwendungsbestimmungen zu beachten. Alle Angaben entspre-chen dem aktuellen Kenntnisstand der Verfasser. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit sowie eine Haftung für Irrtümer oder Nachteile, die sich aus den Empfehlungen ergeben könnten, wird nicht übernommen.

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