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Infoservice Weinbau Nr. 12

Datum: 17.06.2020

Entwicklungsstand

Die starken Entwicklungsschwankungen während der Blüte ziehen sich durch wie ein roter Faden. Wo wir in frühen Lagen schon Beeren im Bereich der Erbsengröße bis zum beginnenden Traubenschluss erkennen können, finden wir in späteren Lagen noch Anlagen die augenscheinlich erst verblüht haben. Die vergangenen, eher milden Tage haben auch die Entwicklung der frostgeschädigten Anlagen gebremst. Nichts desto trotz finden wir hauptsächlich sehr schöne und gepflegte Weinberge mit ordentlichem Behang vor. Noch zeigen sich die Bestände auch gegenüber pilzlichen Schaderreger weitestgehend gesund. Meldungen von Ölflecken haben mich, zumindest aus dem Beratungsbezirk, noch keine erreicht. Oidium ist da und dort in kleinerem Umfang zu finden, hier ist aber erst beim Reifebeginn aufzuatmen. Die Wetterprognose zeigt für heute noch Gewitter bevor es dann ab dem Wochenstart in eine trockenere Phase mit steigenden Temperaturen übergeht.

Rebschutz

Traubenwickler

Derzeit liegt keine Flugaktivität der 2. Generation vor. Für jegliche geplante Behandlung ist es deshalb noch zu früh. Die genauen Zahlen können bei den Rebschutzwarten oder unter http://monitoring.vitimeteo.de/ abgerufen werden.

Peronospora

Durch das nun starke und rasche Beerenwachstum werden die Beläge dort relativ schnell verdünnt. Spritzabstände von mehr als 10-12 Tagen sind deshalb mit erhöhtem Risiko verbunden. Der Einsatz von Kontaktmittel wie Enervin F (2,4 kg/ha Enervin SC + 2,4 kg/ha Vinifol SC), Delan WG (0,8 kg/ha), Folpan 80 WDG (1,6 kg/ha) oder Poly-ram WG (3,2 kg/ha) kann geplant werden.
Bei stärkeren Niederschlägen, vor der geplanten Behandlung, kann der Einsatz von tiefenwirksamen Mitteln zusätzlichen Schutz bringen.

Oidium

Wie auf Vitimeteo nachzulesen ist, zeigt sich das Oidiumrisiko weiterhin sehr hoch. Meldungen von Einzelstockbefall liegen auch aus dem Beratungsbezirk vor. Organische Mittel wie z.B. Kusabi (Wirkstoffgruppe K, 0,3l/ha), Dynali (Wirkstoffgruppe RG, 0,8l/ha) oder Talendo (Wirkstoffgruppe J, 0,375l/ha) sind Einzusetzen. Achten Sie weiterhin auf einen konsequenten Wirkstoffgruppenwechsel.

Die Mittelmenge errechnet sich aus dem Basisaufwand x3,5 – 4 je nach Entwick-lungsstadium. Die oben genannten Werte sind mit Basisaufwand x4 gerechnet.
In Abhängigkeit des Schadens ist der Mittelaufwand in Frostgeschädigten Lagen zu reduzieren.
Die Wasseraufwandmenge liegt bei 800 l/ha.

Bitte melden Sie Ölflecken, Zeigertriebe und weitere Auffälligkeiten weiterhin der Weinbauberatung.
Junganlagen sollten nach dem Austrieb wöchentlich mit einem organischen Peronosporafungizid und Netzschwefel behandelt werden.
Beachten Sie die Gebrauchsanleitung und besonders die Auflagen und Anwendungsbestimmungen mit Hinweisen zur persönlichen Schutzausrüstung und Wiederbetretungsfristen der einzelnen Pflanzenschutzmittel.

Botrytis

Kurz vor Traubenschluss ist bei kompakten Traubensorten nun der beste Einsatzzeitpunkt für ein Spezialbotrytizid. Bei dieser Behandlung gilt, lieber zu früh als zu spät. Zum Einsatz kommen Switch (bitte beachten Sie hier die Vorgaben Ihres Vermark-tungsbetriebes), Kenja, Prolectus oder Cantus (Cantus hat die Wirkstoffgruppe „L“ und sollte deshalb nicht nach dem Einsatz von Luna Experience/Max, Sercadis oder Collis Verwendung finden). Eine luftige Traubenzone erhöht die Wirksamkeit einer solchen Behandlung. Bei einer reinen Traubenzonenbehandlung ist der Basisaufwand x2 zu wählen. Die beste Wirkung wird mit dem Befahren jeder Gasse erzielt. Die Vorgaben des Antiresistenzmanagements (Wirkstoffgruppenwechsel, max. 1 Anwendung pro Saison) sind einzuhalten.

Weinbauliche Hinweise


Das Gipfeln wurde bereits begonnen bzw. steht in den Startlöchern. Zur Vermeidung von Kompakten Trauben sollte dieser Termin möglichst bis kurz vor dem Abknicken der Triebe geschoben werden.

Pflegemaßnahmen, Heften und die Teilentblätterung können weitergeführt werden. Achten Sie bei maschineller Entblätterung auf die korrekte Einstellung der Geräte. Eine frühzeitige Entblätterung (keine Freistellung) sorgt für eine abgehärtete Beerenschale, weniger Sonnenbrandgefahr, eine bessere Durchlüftung der Traubenzone damit Botrytisprofilaxe und bessere Applikationsqualität der Pflanzenschutzmaßnahmen.

Erste ESCA Stöcke können nun gefunden werden. Nehmen Sie bei jeder Handarbeitsmaßnahme etwas mit um die befallenen Stöcke kennzeichnen zu können.

In stark chlorotischen Anlagen können eisenhaltige Blattdünger wie z.B. Fetrilon, Folicin oder Lebosol – Eisencitrat eingesetzt werden. Zur Stiellähmevorbeugung wird der Zusatz Bittersalz empfohlen. Es kann zur normalen als auch zur Traubenzonenbehandlung zugesetzt werden. Blattdünger bitte nicht mischen, es besteht Verbrennungsgefahr. Auch vom Einsatz mehrerer Blattdünger gleichzeitig wird abgeraten.

Sonstiges


Aufgrund der Corona bedingten Absage von Weinbergsbegehungen haben das Landwirtschaftsamt Emmendingen und Ortenaukreis ein neues Format mit kurzen Videos auf der Homepage des Landwirtschaftsamtes Ortenaukreis eingestellt. Je nach Bedarf wird dieses wöchentlich erneuert. Auf dem Link https://ortenaukreis.landwirtschaft-bw.de/pb/,Lde/Startseite/Fachinformationen/Infoservice+Weinbau kann dieses angeschaut werden. Voraussichtlich morgen (Donnerstag) wird das neue Video aufgespielt.

Die nächste Weinbauinfo erscheint voraussichtlich und vegetationsabhängig in KW 26.

Mit freundlichen Grüßen

Johannes Werner

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