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Warndienst Stein- und Beerenobst Nr. 15/ 2019

Datum: 06.06.2019

Kirschen-Extra: Bekämpfung der Kirschessigfliege und der Kirschfruchtfliege

Aktuelle Situation

Kirschessigfliege (KEF): Fruchtkontrollen zeigen auf jetzt dunkelroten bis schwarzen Kirschen im unteren, beschatteten Bereich der Bäume Vermadung. Erste Puppen sind zu finden. Neue Eiablagen auf hellroten Kirschen sind, vermutlich hitzebedingt, weniger geworden. Gleichzeitig ist bei Vollbehang ein gewisser Verdünnungseffekt zu berücksichtigen. Die Witterung bleibt für die KEF günstig.

Es ist in ca. 14 Tagen mit der nächsten Generation adulter KEF zu rechnen. Ab dann ist die Spritzfolge auf beide Fliegen anzupassen. Auf Warndiensthinweise achten.

Allgemeine Infos zu KEF in Kirschen:

  • Kirschen werden ab Gelb/ Rosafärbung mit Eiern belegt.
  • Die Aktivität der KEF ist abhängig von der Witterung: Wechselhafte Witterung bei Temperaturen von 20-25° C begünstigt die Aktivität und Eiablage der KEF.Trockene, heiße Witterung (30° C) mindert die Aktivität.
  • In bewässerten Anlagen ist die Fliege aktiver, da dort bessere Bedingungen für sie herrschen.In schattigen Lagen oder in Bachnähe ist der KEF-Befall erfahrungsgemäß höher. Dort sollte bereits jetzt Spintor oder Exirel neben Bächen (75% 10m, 90% 5m Gewässerabstand) zum Einsatz kommen.

Zur Bekämpfung der KEF sind nach Art. 53 mit je 2 Anwendungen zugelassen:

Spintor 0,15 l*, max. 0,3 l/ ha, WZ 5 Tage, B1

Exirel 0,375 l*, max. 1 l/ ha, WZ 7 Tage, B1

Kirschfruchtfliege (KFF): Der Flug bewegt sich lokal auf einem mittleren bis hohen Niveau. An einzelnen Standorten im Gebiet sind Gelbtafeln bisher ohne Fänge. Eiablage erfolgt auf gelbe und reife Früchte. Erfahrungsgemäß nimmt der Befallsdruck bei mittleren und späten Sorten zu. Zur Bekämpfung ist Mospilan SG mit 0,125 kg* zugelassen, max. 2 Anwendungen, WZ 7 Tage, B4.

Die Erntetermine können je nach Behang und Höhenlage um 8-10 Tage abweichen. Bei schwachem Behang ist eine frühere Reife bei der Terminierung der Behandlungen zu berücksichtigen. Generell sind die Behandlungen nach Reifegruppen zu terminieren.

Alle Sorten, die in dieser und nächster Woche gelb bis rosa sind/ sein werden, sollten bevorzugt mit Mospilan SG 0,125 kg* behandelt werden. Aktuell ist der KFF-Druck höher als KEF. Behandlung in Mischung mit einem Moniliafungizid, z.B. Signum 0,25 kg* (WZ 7 Tage).

Empfohlene Insektizidstrategien gegen Kirschfruchtfliege und Kirschessigfliege:

Tafelkirschen Frühsorten (Bellise, Merchant, frühe Brennkirschen mit Ernte ab ca. 13.6.):

7 Tage vor Ernte (Rote Früchte): Mospilan SG 0,125 kg*

Mittlere und späte Sorten: (ab Dollenseppler, Tafelkirschen ab Carmen, Giorgia, Grace Star, Vanda) mit Erntebeginn ab ca. 20. bis 25.6.:

Spritzfolge A:

21 Tage vor Ernte (Umfärbung auf gelb/ gelb-rot): Spintor max. 0,3 l/ ha

14 Tage vor Ernte (Umfärbung auf rosa): Mospilan SG 0,125 kg*

7 Tage vor Ernte (Rote Früchte): Mospilan SG 0,125 kg* ; Zusatz von Spintor max. 0,3 l/ ha, wenn KEF-Druck ab Mitte Juni erkennbar steigt.

Spritzfolge B:

21 Tage vor Ernte (Umfärbung auf gelb): Exirel max. 1 l/ ha

14 Tage vor Ernte (Umfärbung auf rosa): Mospilan SG 0,125 kg*

7 Tage vor Ernte (Rote Früchte): Exirel max.1 l/ ha

Weitere Hinweise:

  • Die Wirkung einer Spintor-Behandlung hält 5 bis max. 7 Tage an. Niederschläge verringern die Wirkungsdauer. Nach Niederschlägen wird eine Wiederholung der Behandlung empfohlen.
  • Zusätzlich kann eine Mischung von Mospilan 25g + 1 l combi protec in 20 l Wasser/ ha (WZ 7 Tage) als Streifenbehandlung einseitig in die Baumkrone erfolgen. Bei Bedarf Beratung anfordern.
  • Mospilan SG hat eine Nebenwirkung auf Kirschessigfliege.
  • Exirel ist etwas regenbeständiger als Spintor. Bevorzugter Einsatz in Tafelkirschen ohne Dach.
  • Gras in den Anlagen kurz halten.
  • Tafelkirschen für OGM: Begrenzung auf maximal 5 Wirkstoffe berücksichtigen!Schüttelkirschen
  • (Industrie- /Brennware): Es gibt keine Beschränkung der Wirkstoffanzahl.

Abstand letzte Behandlung zu Erntebeginn: Sollte sich der Erntebeginn um mehrere Tage nach hinten verschieben, wird zu einer weiteren Behandlung unter Einhaltung der Wartezeit geraten. Im Bedarfsfall Beratung anfordern.

Tafelkirschen: Anlagen mit Überdachung und seitlicher Einnetzung: Unmittelbar vor dem Schließen der Netze wird eine Behandlung mit Spintor oder Exirel empfohlen, um im Bestand vorhandene Fliegen zu bekämpfen. Die seitliche Einnetzung ist vor dem Beginn der Gelbfärbung zu schließen.

Brenn- und Industriekirschen: Die KEF belegt v.a. Früchte in der unteren Kronenhälfte. Bei ansteigendem Befallsdruck kann eine Behandlung mit Spintor 0,15 l* oder Exirel 0,375 l* in die untere Kronenhälfte bei 500-600 l Wasser/ ha erfolgen. Mospilan gegen KFF muss als Vollkronenbehandlung erfolgen!

Abdrift vermeiden! Bei kritischen Nachbarkulturen (Erdbeeren) sollte zur KFF-Bekämpfung Calypso mit 0,1 l*, WZ 14 Tage (max. 2 x), statt Mospilan SG eingesetzt werden.

Bienenschutz: Auf die Auflagen der bienengefährlichen Mittel achten, z.B. Mulchen von blühendem Unterwuchs, kein Honigtau an Bäumen! Bei Einsatz von Mospilan SG + Sterolsynthesehemmer wie z.B. Score, Luna Experience, Systhane 20 EW ändert sich der B4 Status auf B1!

Informieren Sie Imker über die anstehenden Behandlungen mit bienengefährlichen Mitteln, damit diese ggfs. noch in Kirschen stehende Bienenvölker verstellen können.

Für alle nicht genannten Kulturen gelten die Empfehlungen aus der letzten Durchsage vom 29.05.19.

Die Angaben ersetzen nicht die Gebrauchsanleitung, insbesondere sind die Anwendungsbestimmungen zu beachten. Alle Angaben entsprechen dem aktuellen Kenntnisstand der Verfasser. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit sowie eine Haftung für Irrtümer oder Nachteile, die sich aus den Empfehlungen ergeben könnten, wird nicht übernommen.

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