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Warndienst Stein- und Beerenobst Nr. 17/ 2020

Datum: 20.05.2020

Witterung

Bis Freitag bleibt es vorwiegend sonnig bei bis zu 27 °C. Ab Freitagabend und v.a. am Samstag ist mit Regenschauern zu rechnen bei vorübergehendem Temperaturrückgang auf Werte um 20 °C. In der nächsten Woche wieder trocken und wärmer.

Pflanzenschutzmittelanwendungen und Abdrift

Die Kulturen befinden sich jetzt alle im rückstandsrelevanten Zeitraum. Bei Erdbeeren im Freiland läuft die Ernte. Gleichzeitig finden in Nachbarkulturen vor der Ernte Pflanzenschutzmaßnahmen statt. Dabei kommen Mittel zum Einsatz, die nicht in allen Kulturen zugelassen sind, z.B. Insegar (nur in Zwetschge zugelassen) oder Mospilan (nicht in Erdbeeren zugelassen). Bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln ist deshalb unbedingt auf die Vermeidung von Abdrift zu achten! Anwendung nur bei Windstille oder Wind bis max. 3 m/s (leichte Brise, Blätter säuseln) = früh morgens oder abends. Behandlung der Randreihe nur von außen nach innen.

Bienenschutz:

Auf die Auflagen der bienengefährlichen Mittel ist zu achten, z.B. Mulchen von blühendem Unterwuchs, kein Honigtau an Bäumen! Bei Einsatz von Mospilan SG + Sterolsynthesehemmer wie z.B. Score, Luna Experience, Systhane 20 EW ändert sich der B4 Status auf B1!

Informieren Sie Imker über anstehende Behandlungen mit bienengefährlichen Mitteln, damit diese ggfs. noch in oder neben Obstanlagen stehende Bienenvölker verstellen können.

Reifezeiten Tafelkirschen (geschätzt, je nach Lage, Behang und Witterung sind Schwankungen bis zu ca. 10 Tagen möglich, Auswahl der wichtigsten Sorten):

Souvenir de Charmes, Sweet Early, Earlise: 20.-22.05. = diese Woche

Burlat, Early Star, Sweet Aryana: 25.-27.05.

Bellise, Merchant: ca. 02.06.

Giorga, Samba, Techlovan, Carmen, Vanda, Grace Star: ca. 08.06.

Van, Schneiders, Tamara: ca. 15.06.

Kordia, Hedelfinger: ca. 22.06.

Regina, Sweetheart: ca. 29.06.

Reifezeiten Schüttelkirschen:

Dolleseppler: ca. 10.-20.06 für Industrieverwertung, je nach Abnehmer

Benjaminer: ab ca. 25.06.

Brennkirschen für Brennerei ab Ende Juni

Kirsche: Kirschessigfliege und Kirschfruchtfliege

Kirschessigfliege: Die Eiablage hält an. Zum Wochenende ist bei unbeständiger Witterung mit weiteren Eiablagen zu rechnen.

Kirschfruchtfliege: Die Gelbtafelfänge sind weiterhin hoch. Es muss auch auf den jetzt heranreifenden Früh-sorten mit Eiablagen gerechnet werden.

In Tafelkirschen mit Erntebeginn ab 27.05. wird noch heute eine Behandlung mit Mospilan SG 0,125 kg* unter Einhaltung der Wartezeit (WZ 7 Tage, B4) in Mischung mit einem Monilia-Fungizid empfohlen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Bekämpfung der Kirschfruchtfliege (KFF), die Kirschessigfliege (KEF) wird miterfasst.

In den Sorten der folgenden Kirschwochen sind ausgehend vom erwarteten Erntetermin zwei Behandlungen mit Mospilan SG (max. 2x) 14 und 7 Tage vor Ernte einzuplanen. Bei Spätsorten sind drei Behandlungen nötig. Hierbei ist Exirel oder Calypso (Indikation Blattläuse, Nebenwirkung KFF) in die Strategie einzubauen.

In Flächen mit geringem KFF-Druck, aber hohem KEF-Druck wird jetzt eine Behandlung mit Exirel 0,375 l*, max. 1 l/ ha (Art. 53, WZ 7 Tage, B1) empfohlen. Der KEF-Druck ist erfahrungsgemäß in Waldrandlagen, neben Bächen oder frühreifenden unbehandelten Brennkirschen erhöht.

Wichtig: Spintor ist bis jetzt in Kirschen nicht zugelassen! Eine Entscheidung des BVL wird für nächste Woche erwartet.

Schüttelkirschen: In den meisten Lagen färben jetzt alle Sorten gelb/ gelb-rosa um. Es sollte zum Gelbfärben ab sofort bis zum Wochenende eine erste Behandlung mit Mospilan SG oder Exirel erfolgen. Auch hier sind je nach Erntetermin und KFF/ KEF-Druck bis zu drei Behandlungen nötig.

Weitere ausführliche Hinweise zu KEF und KFF in einem Kirschen-Extrafax in der nächsten Woche.

Fruchtmonilia: Es werden zwei Behandlungen mit z.B. Luna Experience 0,2 l* oder Signum 0,25 kg* beide mit Wartezeit 7 Tage ca. 14 und 7 Tage vor Erntebeginn empfohlen. Bei Tafelkirschen Hinweise der Vermarkter bezüglich Mittelwahl und Wirkstoffanzahl berücksichtigen.

San-José-Schildlaus: Es sind noch keine Crawler geschlüpft. Mit einer Behandlung mit Movento SC 100 noch warten. Nächste Warndienste beachten.

Rindenwickler: Der Flug hat begonnen. In Befallslagen sind ab sofort zwei Behandlungen mit Coragen (nur §22 Genehmigung, 0,0175 % = 17,5 ml pro 100 l Wasser) als Stammbehandlung einzuplanen. Darauf achten, dass dabei keine Früchte getroffen werden.

Zwetschge, Mirabelle: Rote Austernschildlaus

Der Schlupf der Crawler dauert an. Wenn noch nicht erfolgt, ist in den nächsten Tagen die Behandlung mit Movento SC 0,75 l*, max. 2,25 l/ ha (Art. 53, B1, WZ 21 Tage!) einzuplanen. Bei starkem Befall ist eine zweite Behandlung mit Movento SC nach 14 Tagen nötig. Dosierung der Baumhöhe anpassen, nicht unterdosieren. Blühender Unterwuchs ist vor einer Anwendung zu mulchen.

Mehlige Pflaumenlaus: Der Befall an den Triebspitzen nimmt aktuell zu, teilweise sind bereits große Kolonien auf den Blattunterseiten und Honigtau zu finden. In Hinblick auf einen Einsatz der bienengefährlichen Mittel Movento (Schildläuse) und Insegar (Pflaumenwickler) sind die Bestände zu kontrollieren. Zur Bekämpfung sind Mospilan SG 0,125 kg* (B4, in Mischung mit Azolfungiziden B1!) oder Teppeki 0,07 kg* (B2, Einsatz nur abends nach dem täglichen Bienenflug) einzusetzen. Calypso und Pirimor sind gegen diese Blattlausart nicht wirksam!

Pflaumenwickler: Der Flug und Eiablage halten weiter an. In bekannten Befallslagen oder bei schwachem Fruchtansatz wird auch in Frühsorten wie Katinka oder Hanka eine Behandlung mit Insegar 0,2 kg*, max. 0,6 kg/ ha (Art. 53, WZ 28 Tage, B1, bienengefährlich!) in den nächsten Tagen empfohlen. In frühen Lagen ist mit Erntebeginn von Katinka Anfang Juli zu rechnen.

Johannisbeere: Gemeine Spinnmilbe

In bekannten Befallslagen (hitzige Standorte, häufig sind Tets und Haronia betroffen) sind Adulte blattunterseits zu finden. Durch die Saugschäden entstehen kleine chlorotische Flecken. Anlagen kontrollieren. Zur Bekämpfung wird Kiron 1,5 l (WZ 21 Tage!) oder Envidor 0,4 l (B1!, WZ 14 Tage) empfohlen. Bei Frühsorten Wartezeiten beachten, Behandlung ggfs. direkt nach der Ernte einplanen, im Bedarfsfall Beratung anfordern. Wurde Movento gegen die Maulbeerschildlaus eingesetzt, ist eine Nebenwirkung auf die Spinnmilben vorhanden.

Maulbeerschildlaus: In stark befallenen Anlagen sollte jetzt die zweite Anwendung mit Movento SC 0,75 l (B1, WZ 14 Tage) erfolgen.

Johannisbeere, Stachelbeere: Stachelbeermehltau

Erster Befall ist an den Blättern zu finden. Anlagen kontrollieren und v.a. auf Fruchtsymptome achten. Befallene Früchte entfernen. Fungizideinsatz fortsetzen. Die derzeitige Witterung eignet sich gut für den Einsatz von Kumar 5 kg. Die maximale Konzentration in der Spritzbrühe darf 1% nicht überschreiten (=5 kg Kumar auf 500 l Wasser pro ha). Anwendung auf trockenes Blatt, um Phytotox zu vermeiden. Der Wirkstoff ist nicht rückstandsrelevant.

Art. 53 Zulassung

Für Spintor gegen Kirschessigfliege an Erdbeeren im Freiland (ausgenommen remontierende Erdbeeren) von 15.06. bis 12.10.2020. Maximal 2 Anwendungen im Abstand von mindestens 3 Tagen bei festgestelltem Befall bei Fruchtreife (BBCH 81-87), Aufwandmenge 0,75 l/ ha in mind. 600 l Wasser/ ha, Wartezeit 3 Tage. Das Mittel ist bienengefährlich (B1).

Für Exirel gegen Kirschessigfliege bei Johannisbeeren und Heidelbeeren im Freiland vom 01.06. bis 28.09.20, Anwendung nach festgestelltem Befall, ab Fruchtreife (BBCH 81 – 87), 0,75 l/ha in mind. 600 l Wasser/ha, max. 2x, Abstand mind. 3 Tage, max. 1,5 l/ha in der Kultur pro Jahr, WZ 3 Tage, B 1.



Der nächste Warndienst erscheint nächste Woche.

Die Angaben ersetzen nicht die Gebrauchsanleitung, insbesondere sind die Anwendungsbestimmungen zu beachten. Alle Angaben entsprechen dem aktuellen Kenntnisstand der Verfasser. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit sowie eine Haftung für Irrtümer oder Nachteile, die sich aus den Empfehlungen ergeben könnten, wird nicht übernommen.





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