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Weinbauinfo Nr.19

Datum: 29.08.2019

Weinbauinfo Nr. 19 vom 29.08.2019
Entwicklungsstand
Bei überwiegend sehr gesunden Anlagen geht die Reife dank sonnigen und heißen Temperaturen in rasanten Schritten vorran. Auch die Menge hat dank den zurückliegenden Niederschlägen nochmals zugelegt. Wir befinden uns auf der Zielgeraden, wie auch die Meldungen über die Federweißerlese zeigen. Die schwülwarme Luft der letzten Tage birgt aber auch gute Bedingungen für die Kirschessigfliege. So kann in frühen roten Rebsorten, wie vor allem dem Acolon, Frühburgunder, Dorsa und Dunkelfelder, ein erhöhter Flug bzw. erster Befall festgestellt werden. Untersuchen Sie deshalb Ihre Anlagen auf schäumende Einstichstellen, Flugaktivität und Vorschäden.
Hier meine Reifemessungen vom 28.08.2019 zur eigenen Einschätzung:

Sorte °Oechsle
Müller-Thurgau (mittlere Lage) 69
Riesling (frühe Lage) 51
Weißburgunder (frühe Lage) 66
Solaris 105
Grauburgunder (mittlere Lage) 70
Akolon (mittlere Lage) 67
Spätburgunder (mittlere Lage)  65


Rebschutz
KEF
Wenn auch der Gesundheitszustand der Anlagen sehr gut errscheint und die Vorschä-den in diesem Jahr moderat wirken, so ist die Population an Fliegen in diesem Jahr doch sehr hoch. Beeren mit Vorschaden durch Wespen, Vögel oder Mäuse werden quasi sofort befallen. Besonders Anlagen bei denen in Traubenwulsten kleine Oidium-nester zwischen den einzelnen Trauben zu finden sind, weißen einen erhöhten Befall auf. Auch bei der Eibonitur des WBI´s „VitiMonitoring“ können erste Eier in gesunden Beeren gefunden werden. Nachzulesen auf http://monitoring.vitimeteo.de/$/ . Eine Pauschalisierung auf die gesamte Fläche kann aber nicht getroffen werden. Meist kommt es auf die Pflege und die Saumstruktur der Anlage und auf die Nähe der Reben zu Obstanlagen an. Deshalb sollte jeder seine Anlagen im Blick behalten.

Auf dem Bild kann man eine Traube erkennen die bei Kreis Nr. 1 Vorschaden durch Insekten, bei Kreis Nr. 2 schäumende Einstichstellen und bei Kreis Nr. 3 sichtbaren Flug aufweißt.

Durch das unterschiedliche Erscheinungsbild ist ein genereller Einsatz von Pflanzen-schutzmitteln in den frühen roten Sorten natürlich NICHT nötig.
Weinbauliche Maßnahmen, um einen Befall zu verhindern, sind immer zu bevorzugen:
- Keine Beschattung der Traubenzone
- Entfernen von Traubenwulsten (lüften)
- Oidiumnester entfernen
- Kurze Begrünung
- Entfernte Trauben nicht in der Anlage belassen.

Eine Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln macht nur bei sichtbarem Befall und Flugaktivität Sinn. Es sollte dann zur verbesserten Wirkung jede Gasse befahren werden. Da nur Mittel mit relativ langer Wartezeit zugelassen sind, sollte immer eine Rücksprache mit dem Vermarktungsbetrieb stattfinden. Diese sollten sich auch auf eine verfrühte Lesenotwendigkeit einstellen. Bei Unsicherheit kontaktieren Sie mich gerne. Zur Behandlung stehen folgende Produkte zur Verfügung:

Handelsname  Bienen-gefährlichkeit Raubmilben-schädigung Wartezeit (Tage) Max. Anwen-dungen Aufwandmenge
Spintor B1 Nicht
schädigend
14 2 160 ml/ha
Mospilan SG B4 Schwach schädigend 14 1 375 g/ha
Exirel B1 Nicht
schädigend
10 1 900 ml/ha

Auch das Kombinationsverfahren mit „combi-protec“ steht dieses Jahr wieder zur Verfügung. Folgende Mischungen sind möglich:
- 1 L combi-protec in 20 l Spritzbrühe mit 5 ml Spintor
- 1 L combi-protec in 20 l Spritzbrühe mit 25 g Mospilan
(Es gelten die Anwendungsbestimmungen, Wartezeiten, Auflagen des jeweiligen PSM)
Ich mache darauf aufmerksam das „Karate Zeon“ NICHT zugelassen ist und aller vor-raussicht nach 2019 auch keine Zulassung mehr erhalten wird. Der Einsatz eines nicht zugelassenen Mittels ist ein Verstoß gegen das Pflanzenschutzgesetz. Wenn ein Wein Rückstände von nicht zugelassenen PSM hat, ist dieser nicht verkehrsfähig.

Sonstiges
In kürze beginnt die Unterschriftensammlung des Volksbegehrens Artenschutz „Pro Biene“. Mit Sorge verfolge ich den Verlauf des Begehrens. Derzeit wird evaluiert, wieviel Weinbaufläche im Ortenaukreis betroffen sein könnte.

Die nächste Weinbauinfo erscheint bei Bedarf voraussichtlich in KW 36.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Johannes Werner
Weinbauberater

Landratsamt Ortenaukreis
Amt für Landwirtschaft
Prinz-Eugenstr. 2
77654 Offenburg
Tel.: 0781 805 7206
Fax.: 0781 805 7200
Handy: 0175 2623256
Email: Johannes.Werner@Ortenaukreis.de

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